Kurzgeschichten

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Kurzgeschichten - Sammlung erotischer Geschichten  

Dachaufstieg

Nach dreizehn Semestern, einschließlich Zivildienst, hielt ich mein Diplom nun endlich in den Händen. Es war für mich immer noch ein Fass ohne Boden, wenn ich an die Aufwendungen, Sorgen, die Mühe und Verzweiflung denke. All die schlaflosen Nächte über unzähligen Entwürfen, die am Morgen darauf ein weiteres Mal in der Luft, und vor versammelter Mannschaft, zerrissen wurden. Wenn ich an die peinlichen Momente denke, in denen ein sorgsam einstudiertes Konzept, den peinlichen Fragen der Professur und Assistenz nicht standhielt, oder wenn ich, im Angesicht der aufwendigen Modellierungen von Kommilitonen, die geistigen Früchte meiner Arbeit am liebsten verleugnete. Im Kopf ging ich dann stets die Ausreden durch, die ich hätte präsentieren können, geistige Instabilität, akute Antriebsschwäche, totale Amnesie oder schöpferische Blockade. Meist wurde ich genau in diesem Moment aufgefordert meine phantasievollen Ergüsse zum Besten zu geben, die ich dann schweren Herzens und kleinlaut, mehr schlecht als recht kommentierte.
Nein ich bin wahrlich kein großes Licht gewesen, und mein Studium war alles andere als herausragend. Ich mochte die Abende, an denen man zusammen bei ein paar Bier oder noch mehr Wein in einer Wirtschaft am Tresen saß. Abende, an denen man über die Dinge philosophierte, welche die Welt wirklich bewegten. Sicher drehte es sich das eine oder andere Mal dabei auch um das Studium, insbesondere wenn es kürzlich ein besonders feinschichtiges oder provokantes Thema zu erörtern gab, die neue Assistentin mit der beeindruckenden Oberweite zum Beispiel, die an ...

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Familiengeister

Kurz vor den Semesterferien, erhielt Renée wieder die Einladung zu einem der mysteriösen Familienfeste, die alljährlich im geräumigen Haus ihrer Großeltern stattfanden. In den seltensten Fällen wusste Renée, was eigentlich gefeiert wurde. Sie bekam ihre Einladung stets per E-Mail von ihrem kleinen Bruder Anthony, der in Mailand bei einem Antiquariat als Restaurator arbeitete.
Renée konnte elektronische Nachrichten nie am Computer lesen, sie musste sie ausdrucken oder jemand musste sie ihr vorlesen. Bei dieser Gelegenheit machte sie sich einen Tee und genoss jedes Wort, das sie vom Papier stahl. Auch wenn es keine romantischen Zeilen oder poesievolle Verse waren, so nahm sich Renée doch jede menge Zeit, um ihre persönlichen Botschaften zu lesen. Sie kauerte sich auf den alten Korbstuhl mit dem kleinen Beistelltisch, spielte mit den Fingern in ihren dunklen Locken, und während sie die Mitteilung ihres Bruders las – mindestens dreimal, es war ihre Art dem Absender für seine Mühe und die Aufmerksamkeit zu danken.
Anthony informierte sie über den Termin für die Feier und bot eine Mitfahrgelegenheit an, da er ohnehin mit dem Flugzeug kam und sich einen Mietwagen nahm.
Renée musste an die letzte Feier denken. Bei den opulenten Festlichkeiten traf sie fortwährend auf eine Menge Leute, die sie noch nie gesehen hatte. Das warf faszinierende Fragen auf. Gehörten sie zur Familie, waren es entfernte Verwandte oder alte Bekannte ihrer Großeltern? Woher kannten sie sie, verband sie ein altes Geheimnis ...

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Schichtende

Es war einer dieser langen, nie enden wollenden, Samstage. Thomaes taten die Füße weh und er flehte innerlich, dass der Stammtisch doch langsam zum Ende kommen möge. Aber da war wohl der Wunsch Vater des Gedankens. Immer wieder wurden die Gläser gefüllt, Halbe, Hefe, Halbe, Russe, Ramazotti, Tee, Tee mit Rum, Kaffee, Diesel, Schoko Baileys usw. Der Feierabend war schon eine halbe Stunde überfällig und die Gespräche kamen so langsam ins Stocken. Ein Hoffnungsschimmer im Dunkel der verrauchten Schankstube.
Es waren alles nette, junge Leute, Simon, der Kfz-Schlosser mit der frechen Frisur und dem verschmitzten Lächeln, dem keine Frau etwas abschlagen konnte, Reinhard, der IT-Techniker, der so gar kein Klischee des verstaubten und beleibten Junggesellen erfüllte, der mit seinem Computer verheiratet war, Ralf der Uhrmacher, der für sein Leben gern die Berge bestieg, die der Alpen und einige andere, weniger hohe, doch nichtsdestotrotz um so reizvollere, oder Uwe, der gelernte Bäcker, der mittlerweile ein kleines Unternehmen leitete und drei süße, kleine Töchter hatte. Nicht die weiblichen Gäste zu vergessen, war da Alex, die Krankenschwester, die noch nie eine andere Klinik als die von Carl-Olga von innen gesehen hatte, oder Vivian, die Tagesköchin in einem Kindergarten, Celeste, die osteuropäische Immigrantin, deren Vater bei der kroatischen Botschaft arbeitete und die immer das meiste Trinkgeld gab, und Chelsa, die Halbitaliener-Halbtürkin, die stets akkurat im orientalischen Stil geschminkt war, obwohl sie so gar keine Aktien an den Traditionen ihrer Familie hatte. Doch wie dem auch sei, selbst ein Kellner sehnte sich irgendwann nach einem kühlen Bier, einer heißen Dusche und seiner liebeshungrigen Frau...

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