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Almerad - Meridian-Auszug


Leuchtturm ...Am Rande ihres Blickfeldes tauchen die Umrisse eines Eilandes auf, das sich von rechts nach links in ihrem Gesichtsfeld erstreckt und dabei ein leichtes Gefälle aufweist. Die Silhouette wirkt wie ein Damenschuh, der aus dem Wasser ragt, nur dass der Absatz zusammen mit der Ferse vom Rest des Schuhs angebrochen scheint. Ein langer vertikaler Riss verläuft vom oberen Spann nach schräg links unten, wo er auf etwa der Hälfte in eine Schlucht mündet, durch die das Meer strömt. Auf dem abgebrochenen Teil thronen ein paar kümmerliche Ruinen, soweit es Fim erkennen kann. Insgeheim hofft sie, dass dies nicht das Ziel ihrer Reise ist. „Das ist Almerad“, wendet sich der Kapitän an seine Gesellschaft. „Hauptsächlich besteht die Insel aus dunklem Felsen, jeder Menge Dornenhecken und ein paar kleinen Pinienhainen. Die Nord-Süd-Ausdehnung beträgt etwas weniger als zwölf Meilen, wobei die Insel nach Süden hin abfällt und in ein gefährliches Riff mündet, wo heute noch ein verwitterter Leuchtturm die Seeleute vor den Untiefen warnt. Diese Meerenge ist tückisch, deshalb umrunden wir das Atoll stets von Norden her, wo sich die Ruinen des alten Klosters befinden, die weit oben über der See wachen.“ Fimrethiel nickt und folgt dem ausgestreckten Arm des Seemanns mit den Augen. Ihre geschärften Sinne holen die verwitterten Mauern des Konvents heran. Sie erkennt selbst die Raben, welche wie schwarze Auswüchse in den toten Fenstern hocken. Sie erkennt wie der raue Wind, der um die Klippen pfeift ihr Gefieder zerzaust. Sie starrt in die kleinen glitzernden Augen der Vögel als stände sie direkt vor ihnen. Erschrocken reißt sie sich aus ihrer Trance. „Ursprünglich war dieses Plateau mit dem Rest der Insel über einen schmalen Grat verbunden. Doch Witterung, die Gezeiten und die stete Brandung haben diese einstige Passage zerstört. Heute gehört der dunkle Stein wieder der See.“ Der Kapitän verstummt für einen Moment andächtig. „Unterhalb der schwarzen Klippen, auf der uns abgewandten Seite der Insel, befindet sich eine kleine Bucht, die den Mönchen als Hafen diente. Heute zeugt nur noch ein notdürftig geflickter Steg von den Zeiten der Pilgerfahrten und Siedlungen auf Almerad. Dort werden wir anlegen.“ „Was ist mit den Siedlungen passiert?“, will Fimrethiel wissen. „Sie wurden aufgegeben, zusammen mit dem Kloster, als die Natur ihren Tribut forderte und den steinernen Steg zerstörte. Allein das alte Brückenhaus an den nördlichen Felsen, von wo aus sich einst der schwarze Grat zum Kloster spannte, dient einem Eremiten als Zuflucht. Ihn solltet ihr aufsuchen, bevor ihr beginnt, die Insel zu erkunden. Er kennt die Gefahren dieser Einöde. Ein kleiner Pfad am Ende der Bucht führt hinauf auf die Klippen.
Klosterruine
Wenn ihr der steinigen Straße hinauf folgt, bringt sie euch direkt bis vor seine Tür.“ „War seitdem jemals wieder einer im Kloster?“ „Eine Zeit lang sann man über eine künstliche Verbindung nach, doch die unwirtlichen Umstände und die leeren Kassen der Glaubensbrüder machten die Entscheidung leicht. Die letzten Mönche verließen ein halbes Jahr später das Heim der Mythen über einen Flaschenzug an der westlichen Steilwand.“ „Hätte man diesen Zugang nicht für den Betrieb des Klosters ausbauen und nutzen können.“ Der Seebär schüttelt den Kopf. „Nein, die Brandung dort ist zu stark, mit einem Schiff wie der Silbernadel gelangt man nicht nahe genug an die Felsen heran – der Tiefgang, und kleinere Boote würden von der See gegen die Klippen gedrückt, wo sie zerschellen. Bei der Evakuierung der Mönche kamen sechs Menschen ums Leben. Selbst bei ruhiger See ist die Strömung dort so stark, dass nur erfahrene Matrosen einen Kahn an Ort und Stelle halten können.“...

Meridian - Das Modell der Sphären/ 2.Kapitel - Dimension

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