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Lu-An‘ Renn - Meridian-Auszug


Tempelfeste ...Laurin steht am Lufthafen von Eridéar und wartet auf die Fähre, die ihn landeinwärts zur Mündung des „Idanar“ (Eisstrom) bringt, wo er einen Platz an Bord der „Ryhan‘ Kaan“ gebucht hat, die ihn den Fluss hinauf bis zu den Ausläufern der Schneefelder bringt. Sie bilden die topografische Grenze zu den Gründen des Wintervolks, weite Eisfelder, die sich von der Quelle des Idanar über das karge Land erstrecken. Ein paar spärliche Fichtenwälder säumen die schnell ansteigenden Hügelketten, die sich zu einem schroffen Gebirge auftürmen, mit windigen Schluchten und scharf geschnittenen Tälern. Dort bläst das ganze Jahr über ein frostiger Sturm, vom Wintervolk „Nu‘ pha“ genannt.
Eines der flachbauchigen Schiffe senkt sich vom Himmel herab und geht langsam an der Himmelsleiter vor Anker...
...„Ich will nach „Lu-An‘ Renn“ und mir die Wasserfälle des Idanar ansehen. Ein unvergessliches Spektakel, wo der Eisstrom mit lautem Getöse in den „Lu‘ Renn“ hinabstürzt, bevor seine Wassermassen und das Treibgut des Nordens vom großen Wall aufgefangen werden. Der Staudamm ist eine Meisterleistung der Baukunst, wie ich finde. Bist du schon mal dort gewesen?“
„Ich …“
„Die unglaubliche Energie des Idanar und des Lu‘ Renn garantieren den sagenumwobenen Luxus der alten Stadt über den Gestaden. Die beheizten Straßen und Gehwege bilden die Grundlage für das ausgesprochen milde Klima an der rauen Grenze zu den Eisfeldern. Einer der Gründe, warum so prächtige Veranstaltungen wie der Bardenstreit in Lu-An‘ Renn ausgetragen werden.“
Laurin erinnert sich. Er war schon einmal in Lu-An‘ Renn. Es ist Jahre her, aber der majestätische Eindruck, wie sich die Stadt auf ihren gewaltigen, irdenen Säulen über die Wasserfälle erhebt, wie der dichte Nebel, der von den Fluten aufsteigt, die ehrwürdigen Mauern umgibt, geisterhaft, wie aus einer anderen Welt. Ein künstliches Eiland zwischen schroffen Felsen, durch die sich der Idanar zwängt, bevor er in die Tiefe stürzt, um sich mit dem Lu‘ Renn zu vereinen. Laurin erinnert sich auch an die schlaflosen Nächte, die er hier verbracht hat. In der Umarmung des allgegenwärtigen Rauschens der Wassermassen konnte er keine Ruhe finden. Die Kulisse des Getöses und der feine Nebel hält die Stadt gleich einem Vorhang vor der Außenwelt verborgen. Lediglich die mächtigen Fundamente, die aus dem Felsen wachsen und die spitzen Türme der Tempelfestung vermögen die Aura der Isolation zu durchdringen.
Idanart Ins Innere der grünen, vom Wasser geschliffenen Mauern gelangt man über den Luftweg, den Hafen oberhalb der Fälle im rückwärtigen, nördlichen Teil der Stadt und über einen Tunnel, der die Stadt und den Idanar vollends quert, eine prächtige Unterführung mit Basar, Theater und einer Reihe Tavernen, wo einmal im Jahr der Bardenstreit ausgetragen wird. Es ist ein Platz für Handwerker, Händler, Studenten und Besucher, der einzige Ort, wo das Tosen der Fluten hinter dem geschäftigen Gemurmel der Passanten zurücktritt.
Die Kernsäulen, wie die Fundamente der Stadt auch genannt werden, durchdringen diesen Tunnel und verbinden die im Berg befindlichen Bezirke von Lu-An‘ Renn mit dem Handelsturm, das zentrale Gebäude der Stadt. Er war schon da, bevor Rhyan‘ Qiu seine Tempelfestung errichtete. Die Kernsäulen bergen Treppen, Aufzüge und lange, gewendelte Gänge für Fuhrwerke.
Die geschichtsträchtige Metropole ist nunmehr fast zweitausend Jahre alt und hat nichts von ihrer Faszination verloren. Sie geht auf die ambitionierte Architektur des Wintervolks zurück, realisiert durch die Baukunst der Zwerge. Doch nach dem Tempelkrieg von Rhyan‘ Qiu haben nur wenige vom kleinen Volk, diese Mauern gesehen. Seid Laurins letzem Besuch sind heute, auf den Tag genau, zweihundert Jahre vergangen. Das ist schon eigenartig – all die Jahre hat er keinen Gedanken an sein Exil verschwendet und ausgerechnet an dem Tag, da ihn das Wintervolk mit der Vergangenheit konfrontiert, wiederholt sich zum zweihundertsten Mal der Tag seiner Ausweisung. Zeit ist doch eine seltsame Konstante...

Meridian - Das Modell der Sphären/ 5.Kapitel - Energie


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